Vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1815 hat Kontinentaleuropa unter der Knute Napoleons gestanden. Deutschland ist nach wie vor zersplittert in viele Teilstaaten mit bis zu 38 Zollschranken. Der Macht die Deutschland schließlich einigen wird, geht es noch schlecht. Ein großer Vereinigungsfaktor ist die Eisenbahn ab 1835. Überall entstehen Zulieferer, der Maschinenbau beginnt aufzublühen. Dazu kommen die Einigungsbestrebungen unter möglichst demokratischen Bedingungen (Frankfurter Paulskirche 1848). Letzteres gelingt nicht, aber die Zollschranken fallen nach und nach ...
Die Lokomotivfabrik als Praxiserfahrung für künftige Kfz-Erfinder
Karl Benz wird 1844 in Karlsruhe geboren und durch seine Mutter in die Lage versetzt, trotz des frühen Todes seines Vaters (Eisenbahner) mit kleiner Pension das Gymnasium zu besuchen. Dem Studium an der Polytechnischen (Hoch-)Schule kommt er als Praktikant in einer Lokomotivfabrik unter. 11 Stunden am Tag plus 1 Stunde Mittagspause. Es ist Schufterei, die sich von der eines Arbeiters dort nicht wesentlich unterscheidet. Übrigens hätten sich hier die Wege von Benz und Daimler kreuzen können, wäre er nur noch drei Jahre geblieben.
Lehr- und Wanderjahre zwischen Mannheim und Pforzheim
So bleibt Karl Benz allerdings nur zwei Jahre und wechselt zur Fa. Schweizer nach Mannheim, die u.a. auch Waggonwaagen herstellt und ihn nach einem halben Jahr zum Technischen Zeichner werden lässt. Nach einem weiteren halben Jahr schon muss er nach Pforzheim wechseln, allerdings langsam aufsteigend und mit Führungsaufgaben ausgestattet. Hier lernt er seine Frau Berta kennen, von der wir noch hören werden. Mit ihr zusammen zieht es ihn 1871 wieder nach Mannheim.
Erste Firmengründung geht bei Erfindern meist daneben.
Das ist übrigens das Jahr, in dem Deutschland unter der Oberhoheit Preußens nach drei schweren Kriegen vereinigt wird. In Mannheim kommt es zur ersten Firma, die sich mit hydraulischen Pressen beschäftigt, mitten hinein in das Ende eines Aufschwungs nach dem letzten Krieg. So wird die Selbständgkeit zum Fiasko. Die Eheleute können froh sein, wenn sie noch die Gebäude retten können.
Zweitaktmotor als erstes erfolgreiches Produkt
Nach der ersten Firmenpleite und in der Stunde größter Not wendet sich Karl Benz dem Zweitaktmotor für den Stationärbetrieb zu. Die frischen Patente von Otto müssen umgangen werden. Das heißt aber noch nicht, dass der Motor sofort läuft. Mehrere Quellen dazu beschreiben teilweise ausführlich, wie das Ehepaar Benz den Silvesterabend 1879 mit Anwerfversuchen verbringt und dann endlich mit gleichmäßigen Zündungen viel später sogar im Takt mit den Kirchenglocken belohnt wird. 1881 ist der Motor serienreif und eine erfolgreiche Produktion beginnt. 01/10