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  Camillo Castiglioni 2



Österreichische Nationalbibliothek

Teil 1

Sehr wichtig ist eine weitere Verbindung nach Deutschland, die Castiglioni noch zu Zeiten der Zusammenarbeit mit Lohner aufnimmt, nämlich die schon 1915 erfolgte Vereinigung mit den Hansa- und Brandenburgischen Flugzeugwerken. Damit überzeugt Castigioni den Flugzeugkonstrukteur Ernst Heinkel endgültig, in seine Dienste zu treten. Er wird sich dessen Bewunderung wohl für immer sicher sein können.

Der Krieg bildet die erste wichtige Basis für Castiglionis immensen Reichtum, der später nicht in Millionen, sondern in Milliarden Kronen zu rechnen ist. Er wäre nicht der erste oder der letzte Industrielle, der an Aufträgen des Militärs besonders gut verdient hätte. Der Krieg und besonders sein drohender Verlust bringen uns vielleicht auch der Gründung der Bayrischen Motorenwerke näher.

Als deren Gründungsdatum wird das Jahr 1916 genannt, was aber eigentlich für die Gründung der Bayrischen Flugzeugwerke gilt, übrigens wieder eine Verbindung zu einem Kfz-Pionier. Diesmal ist es kein geringerer als Nikolaus August Otto, dessen Sohn diese Firma gegründet hat. Die Firma BMW sollte etwas mehr Gebrauch von dieser Verbindung machen ...

Aber eigentlich ist das Datum auch nicht ganz zutreffend. Denn diese besteht teilweise nur als Hülle, während die Rapp-Firma 1917 in die BMW GmbH und 1918 in die BMW AG mündet. Übrigens haben diese Firmen mit der Herstellung von Fahrzeugen, ob zwei- oder vierrädrig, nicht das Geringste zu tun. Nur durch die Lizenzproduktion von Austro-Daimler-Motoren der vergleichsweise kleinen Firma Rapp könnte man eine solche Verbindung sehen.

Nein, es geht, wie schon der BMW-Propeller verkündet, zunächst immer nur um Flugzeuge. Genauer gesagt um deren Motoren. Ein Mann sollte hier erwähnt werden, der als Adjutant von Castiglioni an der Entstehung ebenfalls entscheidenden Anteil hat. Das ist der österreichische Marineoffizier Franz Josef Popp, der eigentlich zur Überwachung der Lizenzproduktion zur Firma Rapp geschickt wird.

Popp hat zunächst alle Hände voll zu tun, seine Enttäuschung über die kleine und schlecht organisierte Firma zu bekämpfen, entschließt sich dann aber, wohl mit der Hilfe Castigionis, die Firma nach vorn zu bringen. Er schafft mit Hilfe des von Daimler Stuttgart kommenden Max Friz die Produktionslinie für einen vollkommen neuen Höhenflugmotor und dessen Bestellung auch und gerade durch die deutschen Militärs.

Aber die Firma BMW ist das eigentlich immer noch nicht, denn trotz aller Erfolge kommt der Motor zu spät. So geht die Firma zwar mit etwas Budget, aber doch einer ungewissen Nachkriegszeit entgegen. Da zunächst neue Aufgabenfelder fehlen, endet dies in der Übernahme durch die Knorr-Bremsen AG, die mit ihrer neu entwickelten Druckluft-Bremsanlage genügend Aufträge der Reichsbahn generieren kann.

Jetzt muss man aber erst einmal wieder Castiglionis Situation in der Zeit nach dem Krieg beleuchten. Der ist 1919 zum Italiener geworden, ist sozusagen über Nacht vom Verlierer zum Sieger des Ersten Weltkrieges aufgestiegen. Seine enormen Gewinne aus dem Krieg hat er rechtzeitig transferiert und um etliche, vermutlich noch höhere Spekulationsgewinne während der dem Krieg folgenden, bitteren Inflationszeit vergrößert.

Als sein zusätzliches Betätigungsfeld hat er Deutschland auserkoren. Es ist seine Freundschaft zu dem deutschen Magnaten Hugo Stinnes und die Teilhabe beider an österreichischer Schwerindustrie, die ihn langsam zum 'österreichischen Stinnes' werden lässt. Dies ist eine bis zum Tode von Stinnes anhaltende Beziehung. Castiglioni, seit 1918 Aktionär bei BMW, verfügt aber weiterhin über Kapital, das nach Anlage sucht.

In dieser Situation entschließt er sich zu einem mutigen Schritt. Aus dem Verkauf der BMW AG an Knorr löst er alle nicht die Druckluftbremse betreffenden Betriebsbereiche und rettet auch den Firmennamen. Da die neue Firma zwar Bayrische Motorenwerke heißt, aber als Nachfolger der Bayrischen Flugzeugwerke geführt wird, besteht das Datum 1916 als Gründungstermin von BMW fort.

Was könnte die neue Firma produzieren? Flugzeugmotoren darf sie seit dem Kriegsende nicht mehr bauen, bestenfalls verdeckt im Ausland, wie auch geschehen. Also mutig ist diese Gründung schon, wenn auch clever, denn alle anderen Aktionäre scheiden aus, darunter auch MAN und Zündapp,, weil sie keine Zukunft sehen. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass BMW sozusagen von den Toten wiederaufersteht.

Jetzt ist es an der Zeit, über Castiglionis Engagement in der Automobilindustrie zu sprechen. Da gibt es in Österreich die kurz vor der Jahrhundertwende gegründeten Puch-Werke, die sich über Fahrräder auch mit Automobilen einen Ruf erworben haben. Dann ist da noch die Firma Fiat, deren Montagewerk sich im Lauf der Zeit zu einer veritablen Produktionsselbstständigkeit gesteigert hat.

Während Puch zu Krisenzeiten 1907 in wirtschaftliche Schwierigkeiten schlittert, verlieren die Fiatwerke während des Krieges den Kontakt zu ihrer, dem Kriegsfeind zugerechneten Mutterfirma. Dabei verdienen diese Firmen kräftig an der Rüstung. Zusammengeführt sind sie unter der Kontrolle von Camillo Castiglioni als Chef der Depositenbank und seiner Gruppe mit Austro-Daimler, wo er ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. 06/13

Teil 3

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