Geschichte DKW FA 600 (F1)

Erster deutscher Fronttriebler in Großserie - größeres Bild durch Anklicken!
Lupe

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TypDKW F1
Motor Reihen-Zweizylinder-Zweitakt
Hubraum500/584 cm³
Bohrung * Hub68/74 * 68 mm
Verdichtung5,9 : 1
Leistung11/13 kW (15/18 PS)
Nenndrehzahl3500 1/min
KupplungMehrscheiben-Ölbad
PrimärantriebZahnradtrieb, später Kette
SekundärantriebGelenkwellen, innen Hardyscheiben, außen Tracta-Gelenke
KarosserieMetallrahmen mit Holzaufbau
Aufhängungje 2 QuerBlattfedern
Leergewicht650 kg + Fahrer(in)
Höchstgeschwindigkeitca. 75/80 km/h
Elektrische AnlageDynastart, Generator und
Starter in einem Gehäuse
Erstbaujahr1930/31

Dies ist das erste DKW-Modell mit Frontantrieb. Es begründet mehr als alle vorherigen und kommenden Heckantriebsmodelle von DKW den Aufstieg zum zweitgrößten Unternehmen Deutschlands. Dieser Erfolg hält sogar noch nach dem Zweiten Weltkrieg eine Zeitlang an.
Vielleicht sind schlechte Zeiten gut für Innovationen. Und die Jahre kurz vor und nach 1930 sind schlechte Zeiten mit miserablen Absatzchancen. In Frankreich entsteht ein Citroen-Fronttriebler in Rekordzeit von wenigen Monaten. Bei DKW geht es, als das Entwicklungsziel eindeutig feststeht, noch deutlich schneller (6 Wochen). Der DKW Fronttriebler hat mit dem Citroen noch etwas gemeinsam, die Tracta-Gelenke in den Antriebswellen.
Man darf sich getrost fragen, warum denn das Auto 1886 erfunden wurde, der Frontantrieb aber erst fast 35 Jahre später zur Serienreife gelangt. Das liegt eindeutig an den Antriebswellen, die beim Frontantrieb radseitig viel stärker gebeugt werden als hinten. Die Starrachsen beherrschen noch für lange Zeit das Feld, so dass nur noch eine einzige Welle, nämlich die Kardanwelle, nötig ist. Bei ihr gleichen zwei um 90° gegeneinander verdrehte Kreuzgelenke ungleiche Übertragung von Drehbewegungen aus.
Die schnelle Entwicklung des DKW F1 ist nicht nur durch die wirtschaftliche Situation in Deutschland begründet, sondern auch durch die in den Zwanziger Jahren fortschreitende Gelenkwellen-Technik. Die Zeit ist offensichtlich reif für ein Frontantriebs-Fahrzeug und bei der sehr großen Konkurrenz in jenen Zeiten fürchtet jeder Hersteller, andere könnten schneller sein.
Zeit hatte Rasmussen, der Gründer von DKW, wirklich nicht. Die Geschäfte waren lausig, er hatte eine Idee und bei seiner Fa. DKW gerade seinen Konstrukteur entlassen. Es war schon Oktober und er hatte so eine Ahnung, welcher Konkurrent wohl zum Jahresende mit einem nagelneuen Frontantrieb kommen würde. Er selbst wollte unbedingt den neuen Frontantriebswagen auf der nächsten Automobilausstellung Ende Februar 1931 vorstellen, zumal diese im Jahr davor ausnahmsweise nicht stattgefunden hatte.
In seiner Not wandte er sich an ein Entwicklungsteam bei Audi, einer Firma, die ihm inzwischen auch gehörte. Dort stieß er offensichtlich auf offene Ohren und einen Teamgeist, der die Entwicklung und den Bau von drei Prototypen in 6 Wochen (!) ermöglichte. Damit ist dieser DKW, der später "F1" genannt wurde, das wohl schnellstentwickelte Großserienauto aller Zeiten. Nun gut, es dürften schon einige Vorarbeiten von den Entwicklern bei DKW in Zschopau geleistet worden sein. Auch handelt es sich bei dem Triebwerk um ausgereifte Motorradtechnik. Aber immerhin wurde hier zum ersten Mal ein Fahrzeug auf der Vorderachse angetrieben, das sich sehr bald danach in winterlichen Rennen beweisen wird und auch motorisch weit überlegene Fahrzeuge mit herkömmlichem Antrieb in Bedrängnis bringt.