Wenn man die Geschichte von Audi betrachtet, dann ist das schon eine merkwürdige Firma. 1909 wird sie von August Horch als Gegenpol zu seiner ursprünglichen Firma gegründet. Mitarbeiter folgen ihm in die neue Firma, deren Namen aus dem Streit über Namensrechte entspringt. Horch auf Lateinisch, da muss man drauf kommen. Die Firma nimmt die anfänglichen Schwierigkeiten recht gut, wobei Sporterfolge auch und gerade zu dieser Zeit schon sehr wichtig sind. Ihr Problem ist, dass ihre Produkte immer im Schatten der Horch-Fabrikate stehen werden. August Horch kümmert sich in den ersten Jahren sehr um die Firma, nimmt dann aber überregionale Aufgaben im Zusammenhang mit dem Thema Auto an. Vielleicht passen jetzt zu wenig Leute auf die Firma auf. Denn der Wirtschaft geht es schlecht, in Deutschland noch mehr als im übrigen Europa. Die Banken erzwingen eine Fusion und Audi droht, innerhalb der Auto Union zwischen Horch und Wanderer zerrieben zu werden. Dabei sind die Produkte gut. Als technische Innovation wird Anfang der Dreißiger Jahre der Frontantrieb von DKW hochentwickelt. Im Dritten Reich geht es den deutschen Autoherstellern durch Vorteilen bei der Steuer und umfangreichen Subventionen gut. Die Silberpfeile sowohl von Mercedes-Benz als auch der Auto Union werden weltberühmt und Audi kann sich zu einem respektablen Hersteller von Mittel- bis Oberklassemodellen entwickeln. Das endet allerdings mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Krieg bleiben Audi, Wanderer und Horch verschwunden, denn die allermeisten Produktionsstätten lagen im Osten. Nur DKW vertritt noch die Farben der Auto Union. Leider vergebens, denn man bleibt trotz allen Fortschritts sonst beim Zweitaktmotor. Die Firma gerät zur Konkursmasse, wird zunächst von Mercedes-Benz als ungeliebte Tochter aufgekauft. Immerhin entsteht hier ein für die Zeit moderner Viertaktmotor. Dann nimmt sich VW der Auto Union (DKW) an und gräbt ausgerechnet den Namen Audi aus, verschmäht den Wanderer und den Horch. Nein, zunächst ist Audi wohl noch nicht als Konkurrent in der Oberklasse vorgesehen. Man muss in Ingolstadt sehr um seine Möglichkeiten innerhalb des Konzerns kämpfen, entpuppt sich aber auch als technisch ziemlich innovativ. Im Gegensatz zur Mutter VW, die gerade an ihren Altertümern zu ersticken droht. Was liegt näher als ein Technologietransfer. Auch wechselt nacheinander nicht wenig Personal nach Wolfsburg, bis heute z.B. drei Vorstandsvorsitzende. Manchmal nimmt die Mutter sogar etwas weg und reklamiert es anschließend als die eigene Erfindung, z.B. die fabelhafte Diesel-Direkteinspritzung für Pkw. Doch in Bayern hat man mehr als eine Idee und auch das Potential zur Serienreife. Das beginnt mit dem Fünfzylinder-Benziner, schließt die kleine Revolution des permanenten Allrads und die Alu-Technologie ein. Die Tochter wird immer mehr zur Schwester, kriegt mit Lamborghini sogar eine eigene Tochter und wird in der Oberklasse auf die beiden Platzhirsche gehetzt. Inzwischen hat sie einen von beiden schon mehr als eingeholt ...01/12
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