E-Gas bedeutet, dass die Drosselklappe beim Benzinmotor oder die Einspritzanlage beim Dieselmotor nicht mehr mechanisch, sondern elektrisch über das Gaspedal (Fahrpedal) angesteuert wird. So werden
Motoren mit mehr als einer Drosselklappe (z.B. bei zwei Zylinderbänken) leichter synchronisierbar. Ebenfalls kann eine Tempomat-Funktion einfach
integriert werden. E-Gas ersetzt damit auch den Leerlauf-Füllungsregler oder den Drosselklappenansteller. Bei Zusammenarbeit mit dem ABS-
Steuergerät kann beim Eingreifen der elektronischen Differenzialsperre das Motordrehmoment
einfacher zurückgenommen werden. Auch die schadstoffreduzierende Dämpfung der Gasrücknahme ist jetzt leichter möglich.
Es gab Dieselmotoren, die in bestimmten Betriebszuständen (z.B. unter Last kurz über Leerlaufdrehzahl) unschöne Geräusche hatten oder zum
Ruckeln neigten. Bei der entsprechenden Fahrpedalstellung wird hier vom Steuergerät die Drosselklappe einfach etwas weiter geöffnet. Die
gewünschte Drehzahl wird übersprungen, der zugehörige Geschwindigkeitsbereich muss durch Schalten erreicht werden. Auch kann der Motor bei
Höchstdrehzahl über E-Gas sanfter abgeregelt werden.
Funktion
Zur Sicherheit ist der Fahrpedalsensor mit 2 Widerständen (Potentiometer) mit verschiedenen Arbeitsbereichen (1 - 4 V und 0,5 - 2 V) und
getrennten Leitungen ausgerüstet. Die Drosselklappe wird durch einen Stellmotor betätigt und zusätzlich durch zwei meist gegenläufig arbeitende
Potentiometer überwacht. Das Motor-Steuergerät wertet diese und viele andere Signale aus und steuert den Stellmotor an der Drosselklappe
entsprechend an. Es dürfte wohl klar sein, dass die Verarbeitung bei einem solch sicherheitsrelevanten System doppelt ausgelegt ist.
Bei der Einführung von E-Gas sorgte die Notlauffunktion bisweilen für Diskussionen. Wenn nur ein Widerstand des Fußfahrgebers ausfällt, wird
wahrscheinlich ein Fehler gesetzt und das Auto funktioniert weiter wie gehabt. Geben beide kein Signal mehr, dann kann das Steuergerät
nicht anders reagieren, als die Motordrehzahl in gewissen Situationen oder permanent deutlich anzuheben, um damit z.B. die Werkstatt zu
erreichen. Moderne E-Gas-Regelungen beziehen den Saugrohrdruck bzw. die Luftmasse, den Kupplungs- und Bremslichtschalter und die
Raddrehzahl bzw. die Fahrgeschwindigkeit ein. Dann kann an der Ampel bei getretener Bremse die Drehzahl gesenkt und beim Anfahren und auf
einer Bergaufstrecke entsprechend erhöht werden. Wichtig ist allerdings, dass ein defekter Fußfahrgeber auch durch eine noch so geschickte
Notlaufprogrammierung nicht gut ersetzt werden kann. Wie soll denn das Steuergerät wissen, was der/die Fahrer/in will? Im Notlauf mehr als 50%
der Last anzusteuern, ist ohnehin weder möglich noch sinnvoll.
Übrigens kann auch der Stellmotor für die Motordrehzahl ausfallen. Bei ihm ist allerdings die Notlauffunktion einfacher, nimmt er doch durch eine
Feder dann exakt die Stellung ein, die für eine erhöhte Leerlaufdrehzahl notwendig ist.
Wichtig
Bei all den Einzelgründen für die Einführung von E-Gas kann man den Hauptgrund leicht aus dem Auge verlieren. Es geht um die Regelung des
Motordrehmoments unabhängig von der Gaspedalstellung. Das Steuergerät sammelt alle Informationen und bestimmt danach unter Drehmoment-,
Verbrauchs- und Abgasasaspekten die Drosselklappenstellung. Dabei ist sogar eine stärkere Öffnung trotz Gaspedalrücknahme und ein Schließen
trotz Gasgeben möglich, z.B. beim Schalten der Automatik während eines Beschleunigungsvorgangs. Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten,
das Motordrehmoment zu beeinflussen, z.B. die sehr schnell wirkende Zündzeitpunktverstellung und evtl. die langsamer arbeitende
Ladedruckveränderung. Bei der Programmierung des Steuergeräts kann der Konstrukteur freier zwischen diesen Möglichkeiten wählen.
E-Gas ersetzt nicht nur einfach den Gaszug, sondern hat z.B. im modernen Benzin-Motormanagement eine gesteigerte Bedeutung. Als die
Drosselklappe bei Vergaser/Einspritzung noch fußbetätigt war, wurde das Gemisch gerade beim Gasgeben zunächst einmal magerer. Deshalb
musste zusätzlich über den Lambdawert von 1 hinaus angefettet werden, um den Motor auf Touren zu bringen. Mit E-Gas kann man diesen
Prozess genauer regeln. Rein theoretisch wäre eine fast gleichmäßige Zugabe von Kraftstoff und Luft möglich. Vermutlich wird dabei immer noch
angefettet, aber - verglichen mit z.B. Vergasermotoren - bei weitem nicht mehr so stark. Geringerer schädlicher Abgasausstoß und
Kraftstoffverbrauch sind die Folge. Nachteil ist allerdings, dass moderne Benzinmotoren nicht mehr ganz so 'am Gas hängen' wie die frühen
Einspritzer bzw. Mehrfachvergaser.
Durch die elektrisch betätigte Drosselklappe wird es möglich, die Motorleistung nicht nur durch die Öffnung der Drosselklappe, sondern auch durch
das Zusammenwirken verschiedener Parameter zu steuern. So kann bei geringer Gaspedalauslenkung die Drosselklappe weit geöffnet werden und
trotzdem die Motorleistung z.B. durch eine magere Mischung (Schichtladung) gering sein. Sinnvoll
scheint E-Gas auch für PS-starke Motorräder zu sein, wo das Steuergerät die enorme Leistung fein dosiert auf den Asphalt bringen kann. Da aber
ein Fehlverhalten der Elekronik tödlich wäre, ist ein reines E-Gas nicht so leicht zu realisieren. Auch leidet das von den Motorradfahrern geliebte
ruppige Ansprechverhalten.
Zukunft
Noch im Versuchsstadium befinden sich Kombinationen zwischen E-Gas und Systemen, die z.B. Geschwindigkeitsregelungen wahrnehmen. Das
könnte durch Scannen der Umwelt oder über GPS geschehen. Dabei wird die Position des Fahrzeugs mit einer Tempolimit-Straßenkarte verglichen.
Fährt man schneller als erlaubt, so wird im Gaspedal eine der Überschreitung proportionale Gegenkraft entwickelt. Voraussetzung ist allerdings,
dass alle Geschwindigkeitsbegrenzungen richtig in die Straßenkarte eingetragen und auch wieder rechtzeitig gelöscht werden, was getrost
bezweifelt werden darf. Wenn dazu noch eine warnende Stimme im Fahrzeug installiert ist, ...
Noch mehr nach Überwachung riecht ein System, bei dem sich Fahrer/innen freiwillig verpflichten, dass ihre Fahrdaten, z.B. die Stärke der
Fahrpedalbetätigung) laufend an die eigene Versicherung übermittelt werden. Als
Lohn winkt eine besonders für junge Leute wichtige Reduzierung der Prämien.
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