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Ein befreundeter Kfz-Lehrer besaß ein 3-Familien-Haus, nicht groß, die Wohnungen mit gut 80 m2 Wohnfläche. Es war gekauft worden, weil die Mutter ein verwandtes Ehepaar aus der ehemaligen DDR gern in ihrer Nähe haben wollte, und man keine entsprechende Mietwohnung gefunden hatte. Sie hatte wohl auch einen beträchtlichen Zuschuss geleistet.

Jahrelang hatte er allein das Haus gemanagt, die Mutter war inzwischen verstorben. Die drei Heizkessel im Keller waren ihm schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Jeden Herbst weigerten sich diese beharrlich, kontinuierlich ihren Dienst aufzunehmen. Das ist die Tragik der Wachflämmchen, die eine Sicherheitsschaltung ununterbrochen mit Wärme versorgen müssen.

Der Plan wuchs in ihm sehr schnell, die ganze Anlage durch einen einzigen modernen Brennwertkessel zu ersetzen. Ein Sieg für die Umwelt, für ihn selbst allerdings mehr Arbeit, denn bisher waren die Kosten über die drei Gaszähler abgerechnet worden. Ab jetzt trug er selbst das Risiko, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Aber die Verlockung, die drei alten Boliden los zu werden und durch ein Wandgerät mit wesentlich weniger Leitungsgedöns zu ersetzen, war einfach zu groß. Die eingesparten Grundkosten für zwei der drei Gaszähler wollte er auf die Mieten schlagen, wobei die Mieter dann immer noch deutlich weniger Heiz- und Stromkosten hätten.

Klugerweise hat er zu Beginn der Sommerferien schon ins Internet geschaut und ist sagenhaft günstig zu einer neuen Anlage gekommen. Leider hat er nicht bemerkt, dass dazu auch ein kleiner Computer gehörte. Für den musste er dann später deutlich mehr bezahlen. Ein Heizungsbauer, ehemaliger Schulkamerad, riet ihm zu einer teuren Aufteilung in zwei Kreisläufe. Er entschied sich jedoch, die Heizkreise für die drei Wohnungen grundsätzlich mit der einzig im Heizkessel vorhandenen Pumpe zu betreiben, was natürlich eine enorm ökonomische Lösung ist.

Das sollte ihm noch viel Ärger einbringen. Nein, nicht technischer Natur. Er hatte nämlich die ursprünglichen Pumpen für die drei Heizkreise beibehalten, sozusagen als Sicherheit und für besonders kalte Wintertage. Die Herausforderung war also, ob es die Pumpe im Heizkessel schaffen würde, die drei Wohnungen durch die drei (stehenden) Pumpen hindurch mit genügend Wärme zu versorgen.

Oben im Bild sehen Sie die Anlage, die, leicht verspätet, dann reichlich Ende August von ihm begonnen wurde. Kurz vor Baubeginn riet ihm der Ehemann-Teil des DDR-Ehepaars, doch die ganze Aktion abzubrechen, obwohl das Material schon im Keller lag. Zu groß offenbar die Angst vor Veränderung.

Er schaffte den oben gezeigten Stand in drei Wochen, jeden Tag nach der Schule mit zusätzlich je einer halben Stunde Fahrzeit hin und zurück. Die Anordnung der Geräte hat etwas mit der Wiederverwertung nicht nur der Rohre, sondern auch deren Krümmer zu tun. Zum Schluss erwiesen sich Klemmverschraubungen als die schnellere und sicherere Lösung, so dass jetzt drei verschiedene Verbindungsarten zu sehen sind.

Ach ja, das Gas hat er natürlich nicht selbst angeschlossen, sondern seinem Schulkameraden mit viel Bitten abgeluchst. Der Geselle hat natürlich endlos gebraucht, obwohl die eigentliche Arbeit im Nu zu erledigen gewesen wäre. Auch haben noch zwei hartnäckige Undichtigkeiten die Anlage während des ersten Winters begleitet, übrigens mit Folgen, wie wir noch sehen werden.

Aber eines wurde sehr schnell klar, die einzige, im Normalbetrieb laufende Pumpe schaffte es, die Wohnungen wohlig warm zu halten, nur bei Temperaturen unter null mussten sich die anderen Pumpen thermostatisch zuschalten. So könnte die Geschichte eigentlich glücklich enden, oder?

Ein Nachspiel hatte das (von einer netten Mieterin) im ersten Winter dauernd zugesteuerte Wasser. Irgendwann später, die Heizung war längs dicht, wird nach massivem Wasseraustritt ein Schaden am inneren Wärmetauscher diagnostiziert. Eine kleine Stelle hatte das Verzinken nicht mitbekommen und entließ das Wasser strahlweise.

Es juckte den Reparateur in den Fingern, einfach eine Blechschraube fest hinein zu drehen, aber er widerstand ob der nicht exakt kalkulierbaren Folgen. Aber eines war klar, wer sich als Privatmann bei einem Hersteller von Gaskesseln um ein Ersatzteil bemüht, der bekommt nicht nur am selben Tag - nichts.

Er hat trotzdem eine Lösung gefunden, ein willkürlich ausgesuchtes Geschäft für Heizungen und dessen Seniorchef gefunden, der ihm das Teil verkaufte und auch noch am selben Nachmittag mit dem Lieferschein zur Niederlassung des Herstellers schickte, die ihm das dann an anstandslos aushändigten.

Nun gut, es war etwas teurer, aber dafür hatten die Mieter am gleichen Tag wieder Wärme. Sie merken schon, das Verhältnis meines Freundes zu seiner Anlage wurde immer besser. Und zu den Mietern auch, denn da man bei neuen (Brennwert-) Anlagen die Abgasprüfung beim ersten Mal nach drei und dann alle zwei Jahre hat, sanken die Betriebskosten erheblich. Und trotzdem hat die Anlage keine 3.500 Euro gekostet.

Gut fünf Jahre gingen so ins Land. Bei Erreichen der Pensionsgrenze musste eine Entscheidung gefällt werden. Die beiden Kinder hätten den Vater offensichtlich bis 80 das Haus verwalten lassen, aber er war gewillt, sie früher in die Verantwortung zu nehmen. Also schenkte er ihnen das Haus zu beiden Teilen. Ein gemeinsames Betreiben mit ihnen schien nämlich unmöglich.

Er hat sich wirklich rausgehalten. Nach gut vier Jahren ein Anruf vom Sohn, die Mieter seien seit Tagen ohne Heizung, die Tochter mit ihrem Mann in Urlaub. Er trifft sich mit ihm dort und findet eine deutlich veränderte Anlage vor. Offensichtlich haben Äußerlichkeiten dabei eine große Rolle gespielt. Die Thermometer haben jetzt alle exakt die gleiche Höhe, Pumpen und Verbrauchszähler auch.

Leider sind die Pumpen nun im Vorlauf montiert, im Rücklauf haben sie nicht so viel Wärme verloren, zumal man ihnen die zugegebenermaßen nicht sehr schicken Mützchen gänzlich abgenommen hat. Auch die neun Absperrhähne sind entsorgt und durch chromblitzende Kugelventile ersetzt. An den Klemmstellen sieht man, hier hat ein Fachmann gearbeitet.

Warum ruft der Sohn an? Nicht ganz so sehr wegen der Sorge um die Mieter. Das auch, aber zusätzlich, weil die Tochter beim Hersteller des Heizgerätes angerufen hat und die nichts Besseres wussten, als eine neue Verteilungsanlage für die drei Wohnungen für 4000 Euro plus Montagekosten zu empfehlen, vermutlich die schon früher vom Klassenkameraden vorgeschlagene Lösung.

Man prüft also, weil sich an der bestehenden Anlage so herrlich prüfen lässt. Man kann die Pumpen nämlich auch unten einschalten und an ihnen fühlen, ob sie laufen. Das tun sie übrigens, genau wie die im Heizkessel selbst. Nur die ebenso wunderbar ablesbaren Temperaturen zeigen, dass der Vorlauf nicht warm wird.

Irgendwann probiert man die Anlage ohne die drei Pumpen aus und siehe da, die Vorlauftemperaturen steigen. Man überzeugt sich anhand der Pfeile auf den drei Pumpen, dass sie richtig herum eingebaut sind, ist sich aber einig, dass sie den einwandfreien Betrieb stören. Alles stimmt und trotzdem passt es nicht zusammen.

Die Lösung gibt es erst bei einem zweiten Treffen. Sie können es Zufall nennen, denn irgendwann fallen dem Senior die engen Querschnitte an den neuen, chromblitzenden Verbrauchszählern und ihrem Gegenpart auf der Vorlaufseite auf. Die alten, dreiviertelzölligen, sind also durch halbzöllige ersetzt worden. Das hat die letzten Jahre gerade so gereicht, die Wohnungen warm zu halten.

Nun hat vor 14 Tagen die Wartung durch den anerkannten Heizungsbaubetrieb stattgefunden und deren Chef hat seinen Gesellen angewiesen, die Pumpen auf jeden Fall eingeschaltet zu hinterlassen. Die Anlage könne man im Prinzip so bauen, aber sie sei höchstens für ein Einfamilienhaus ausreichend. Ab jetzt müssten die Pumpen dauernd laufen.

Wenn Sie glauben, damit wäre das Problem gelöst, dann irren Sie sich. Der Sohn glaubt selbst noch nicht so ganz an die Theorie des Vaters, hat als eher kaufmännisch Gebildeter die Turbulenzen, die vermutlich von den zusätzlichen Pumpen vor den Engstellen verursacht werdeen, aus seinem ehemaligen Physikunterricht längst verdrängt. Die Tochter hat sich vermutlich mit ihrem Ehemann vom Chic der Verbrauchszähler etwas blenden lassen und auch nicht auf den Querschnitt geachtet.

Ferner ist da noch der befreundete Heizungsbauer, der die Dinger wohl eingebaut und nicht auf deren Dimensionierung geachtet hat. Wie soll das gehen, dass hier Handlungsweisen als Fehler akzeptiert werden? Wäre doch viel bequemer, man kauft eine neue Anlage, die natürlich dann funktioniert und die vermeintlichen Fehler zudeckt.

Es kommt eigentlich noch schlimmer, weil die Tochter schon die ganzen fachmännischen Erklärungsversuche aufgesogen hat wie eine Verdurstende einen Schluck Wasser. Das hat die Form von Gegenangriffen: Wir hätten die Heizung nicht ausschalten dürften, weil jetzt die 'Taktung' nicht mehr stimme. Dabei läuft die Heizung jetzt wenigstens.

An seinem Sohn kann er beobachten, welche Folgen der 'Einbruch' der Wirklichkeit hat. Sagt der Senior, er sei sich sicher, dass die geringen Querschnitte die Ursache seien, beruft sich der Sohn ständig auf den Vater. Sagt der, man könne ja durch Umgehen eines Verbrauchsmessers testen, bezichtigt der Sohn ihn, selbst nicht sicher zu sein.

Es scheint tatsächlich so zu sein, als ob der moderne Mensch seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen würde, sich die Wirklichkeit am liebsten durch sogenannte Fachleute erklären lässt und es sich in diesem Kokon dann gemütlich einrichtet. Vielleicht der alte idealistische Ansatz, dass es die Welt gar nicht wirklich gibt, sondern ich sie mir sozusagen selbst erschaffe.







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