Suche

A     B     C     D     E     F     G     H     I     J     K     L     M     N     O     P     Q     R     S     T     U     V     W     X     Y     Z




  Mobiles  

  F7     F9


 Buchladen

 Aufgaben/Tests

 Formelsammlung

 Motoröl-Finder




 kfz-tech.de - Frankreich 1978


,


Die Garage, in der das Unfallauto repariert wird, ist eigentlich gar keine, so marode das Dach. Sie liegt quer hinter dem Haus. Zur Einfahrt hin sind also nur scharfe 90° möglich. Dortselbst eine Ladung Kies deponiert. Dessen Verwendung erst nach erfolgreicher Autoreparatur möglich.

Wir befinden uns in den Niederlanden, wo die Fahrzeuge sehr viel teurer sind als in Deutschland. Einzige Möglichkeit, ein Unfallauto. Auch dieses wird akribisch geprüft. Man schreibt praktisch alles auf und weiß dann nach Fertigstellung genau, welche Unfallschäden vorhanden waren. Allerdings wird auch das Fehlen eines Rades vermerkt.

Man zahlt immer noch, einen Teil für den tatsächlichen Wert, einen anderen für den sogenannten Katalogiswarde, den man nicht heruntertricksen kann. Der erste Wert muss nur glaubhaft sein, ist natürlich bei einem intakten Auto ungleich höher. Viele kleine Häuschen in Grenznähe hatten statt Vorgarten eine kleine Ausstellung käuflicher Objekte.

Unser Exemplar war ziemlich desolat, bis weit in die linke A-Säule hinein. Seltsamerweise hat uns das weniger gestört als die schreckliche goldene Farbe. Und natürlich wieder dieser Termindruck. Der Sommerurlaub ist nahe. Also reparieren, eine Art Hauptuntersuchung, bei der das Auto sogar diagonal vermessen wird, und dann eben noch die Lackierung.

Wird erst einen Tag vor Urlaubsantritt fertig. Die Ausfahrt aus der 'Garage' endet im Fiasko, nämlich durch Abrutschen am Kieshaufen an der Mauer. Hässliche goldene Farbe, zwar geschmirgelt, aber kommt wieder durch. Es muss notdürftig geflickt werden. Batterie ist auch ziemlich leer, Fahrzeug muss für die Fahrt in den Urlaub angeschoben werden.

Wohin die Fahrt geht? Nach Frankreich natürlich, genauer gesagt Arcachon, ein Stück hinter Bordeaux. Verschärfend kommt hinzu, dass wir dort mit einem befreundeten Paar verabredet sind. Bis da sind wir nicht gekommen. Erstaunlich genug hat die Batterie gerade noch bis Bordeaux genug Zündstrom geliefert. Die Hoffnung, dass der Generator sie unterwegs aufgeladen hätte, zerschlagen.

Also um sechs Uhr in Bordeaux, Auto an einer Tankstelle gerade noch ausgerollt. Gibt keinen Muckser mehr von sich. Um zehn Uhr Termin im gut 60 km entfernten Arcachon. Was tun? Die Lösung ist ganz einfach: Abfahrtzeit aus Bordeaux auf etwas nach neun Uhr ansetzen und der Batterie dementsprechend 3 Stunden Ladung gönnen. Erstaunlich schwierig, das (ohne Französischkenntnisse) dem Tankwart zu verklickern.

Dann kommt der gemütliche Teil. Ein wenig französisch Einkaufen und tatsächlich den vorderen, leicht verwilderten Platz eines unbewohnten, einstmals hochherrschaftlichen Hauses finden. Aus der vermeintlichen Notsituation direkt in eine für Genießer. Und viel Zeit hatten wir auch.

Wir können es hier etwas abkürzen, wir haben die abendliche Tour im Zeitlimit geschafft, am nächsten Morgen sogar noch zurück nach Bordeaux, zur Sicherheit mit zwei Autos. Dortselbst eine riesige Simca-Werkstatt. Ebenso riesige Preise für einen Alternateur. Zu Hause hätte ich noch einen, aber das nutzt mir jetzt nichts.

Wo liegt vermutlich der Fehler, die Werkstatt schließt bald. Also nur den Stator gekauft. Vor der Werkstatt umgebaut, es war der Rotor. Anmerkung: Es kann aus der Erinnerung heraus auch umgekehrt gewesen sein. So gerade noch in die Werkstatt zum Kauf des Rotor mit Zusatzteilen. Immerhin ist der Generator jetzt komplett neu, der Urlaub mithin gerettet.

Denkste Puppe. Das Begleitfahrzeug ist ein VW-Käfer, theoretisch unverwüstlich, jedenfalls bis Arcachon. Wir wollen nach drei Tagen weiter Richtung Süden. Die anderen beiden sind zuerst fertig, fahren schon mal zur Rezeption, kommen aber anschließend zu Fuß zurück. Der Motor blockiert total. Sie haben versucht, ihn anzuschieben, aber jedes Mal wenn sie die Kupplung kommen ließen, gab es schwarze Striche auf dem Asphalt.

Wagen abgeschleppt, weitere Nacht gebucht. 'Hast Du vielleicht verdächtige Geräusche vernommen?' Natürlich nicht, der Wagen lief völlig normal. Wenn aber doch der Motor eine schwerwiegenden Defekt hat, was nützt dann der Ausbau, und dann noch hier in diesem Sand? Und kaum Werkzeug.

Es geht einen ganzen Tag so, nichts geschieht. Am nächsten Tag dann der Lichtblick. Die Frauen unternehmen etwas mit den Kindern, die Männer bleiben allein. Mir graut vor einer Schleppfahrt über mehr als 1.000 km. Mit letzter Kraft überrede ich ihn an dem Wagen doch Hand anzulegen.

Das Wunder von Bern ist nichts dagegen. Wir hatten gerade mal die Bleche und der Motor war lose. Vielleicht habe ich ja nur an der Keilriemenscheibe des Generators gedreht, damit sich die Verzahnung in der Kupplungsscheibe löst, und zum Glück auch noch verkehrt herum. Ich traue meinen Augen nicht, auf einmal dreht der Motor auch richtig herum.

Nein, wir haben uns nicht so sehr lange mit dem Erstaunen aufgehalten, sondern alles wieder festgeschraubt und natürlich ständig die Drehung kontrolliert. Und siehe da, der Motor springt an als ob nichts auf der Welt geschehen wäre, mitten im Sand von Arcachon.

Dann kommen die Frauen wieder. Mit Unschuldsmiene erklärt mein Partner bei der erfolgreichen Reparatur, dass wir beschlossen hätten, morgen doch Richtung Biarritz weiter zu fahren. Seine Freundin fragt an, ob er jetzt völlig den Verstand verloren habe. Sie können sich vorstellen, wie lange wir dieses Theaterspiel durchgehalten haben, bis wir endlich eine der Frauen ins Auto gebeten haben, um selbst zu probieren.

Es wurde natürlich noch ein vergnüglicher Abend und am nächsten Tag sind wir tatsächlich Richtung Biarritz weitergefahren, ausnahmsweise mit zwei intakten Autos.

Und als hätte sich der Simca 1100 Spezial nicht schon genug geleistet, hat auf der Rückfahrt nahe Paris auch noch der Auspuff ziemlich weit vorn und ziemlich laut werdend seinen Geist aufgegeben.

Und wieder haben wir uns eine kleine Mahlzeit gegönnt, diesmal mit einer Dose Würstchen. Danach auch den zweiten Deckel entfernt und ein Längsschnitt. Mit Draht, den für die elektrische Hausinstallation, die beiden Enden verbunden, hat das Ganze noch eine längere Zeit nach Urlaubsende gehalten.

Der Grund für den Defekt des VW-Käfers? Jahre später musste der Motor aus irgendeinem Grund ausgebaut werden, da lagen unten in der Kupplungsglocke kleine Stücke einer äußeren Feder, die an der Druckplatte der Kupplung fehlte. Wie dieses Teil aber oben zwischen Schwungradverzahnung und Anlasserritzel gelangen konnte, keine Ahnung. Jedenfalls hat das gewaltsame Anschieben die Blockade noch verstärkt.







Sidemap - Kfz-Technik Impressum E-Mail Sidemap - Hersteller