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  VW - Geburt eines Käfers 3



Nein, das ist kein weiterer Prototyp des VW-Käfers, sondern der Tatra T97, produziert in den Jahren 1938/39. Übrigens fand auch Hitler den Wagen sehr ähnlich zum Käfer und hat seine Produktion verboten, nachdem er 1938 die Sudetengebiete besetzt hatte. Bevor Sie Ihr endgültiges Urteil fällen, wer nun von wem geklaut hat, hier zunächst die Geschichte von Tatra.

Wenn wir uns nämlich auf die Suche nach den ersten Heckmotoren begeben, werden wir zumindest hier fündig. Es beginnt wie bei Ferdinand Porsche wieder in Österreich-Ungarn, diesmal in Nesselsdorf (Mähren), heute Koprivnice ganz im Osten der Tschechischen Republik, wo ein gewisser Ignaz Schustala ab 1850 Pferdekutschen mit Niederlassungen auch in Deutschland baut.

Er erlebt nicht mehr die für uns wichtige Hinwendung der Nesselsdorfer Wagenbau-Fabriks-Gesellschaft zum ersten Automobil. 1897 erscheint das erste Automobil der Firma, 'Präsident' genannt. Es ist auch der Beginn eines beispiellosen Werdegangs, nämlich dem von Hans Ledwinka (1878 - 1967). Er arbeitet hier u.a. mit Edmund Rumpler zusammen, dem Erfinder des berühmten Tropfenwagens von 1921.


Unten sehen Sie das Nesselsdorfer Modell II von 1900, drei Jahre nach dem Eintritt Ledwinkas in die Firma. Es zeichnet sich wie der Vorgänger durch einen im Heck angeordneten, wassergekühlten Benz-Motor aus. Der hat zwei Zylinder, ist allerdings quer angeordnet und treibt Getriebe und Differenzial vor ihm liegend mit Kette an. Über weitere Ketten geht dann das Drehmoment auf die Hinterräder.


Zwei Mal wird Ledwinka die Firma verlassen und doch nach einer gewissen Zeit wiederkommen. Schon ab 1905 verblockt er Getriebe und Motor, der dann schon, genau wie die beim T97 oben und anders als beim Käfer, durch Schrägstellung der Ventile halbkugelförmige Brennräume aufweist.


Ledwinka scheint wenig Skrupel vor einer Verschiebung des Schwerpunktes nach hinten zu haben. Schon mit der Rennversion des Tatra 12 erringt man 1925 einen Klassensieg bei der Targa Florio. Unter seiner Regie entstehen später Sechs- und Achtzylinder im Heck (Bild oben). Neben kürzeren Rennen auf Geschwindigkeit gewinnen seine Fahrzeuge vor allem Langstreckentests auf Haltbarkeit hin in drei Kontinenten.


Der oben abgebildete V 570 ist sein früher (1933) Entwurf und der Käfer diesem sicher ähnlich. Es soll auch eine intensive Beziehung zumindest zu Zeiten von Ausstellungen zwischen Ledwinka und Hitler gegeben haben. Der habe Porsche versichert, sich ruhig anderer Ideen zu bedienen, man hatte Tatra nach dem Münchener Abkommen sozusagen in der Hand. Immerhin zahlt das Volkswagenwerk 1961 an Tatra 3 Mio. Mark Entschädigung.

Ein letzter kleiner Beweis ist dieses Zitat als Bildunterschrift aus 'Tatra – The Legacy of Hans Ledwinka' von Ivan Margolius und John G Henry: 'The tangible Tatra connection with Volkswagen is clearly visible in this 1945 view oft he southern frontage oft he Volkswagen factory in Wolfsburg, showing a parked T87 which was owned by Major Ivan Hirst, who initiated postwar VW production. (Courtesy Volkswagen AG corporate history department)'.

Die konkrete Verbindung von Tatra zu Volkswagen ist eindeutig sichtbar in diesem Blick 1945 auf die südliche Fassade des Volkswagenwerks in Wolfsburg, die einen geparkten T87 von Major Ivan Hirst zeigt, der die Nachkriegsproduktion des Volkswagens einleitete. (Mit freundlicher Genehmigung der VW-Abteilung für Geschichte).

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