Suche

E-Mail




  Mobiles  

  F7     F9

 Buchladen

 Aufgaben/Tests

 Formelsammlung




  Design - Das Auto



Wir wollen das Auto unter gewiss anderen Aspekten betrachten als nur der puren Technik. Es soll z.B. höchstens in Einzelfällen interessieren, wie schnell es ist. Daran wäre für uns dann nicht die Motorleistung interessant, sondern vielleicht eine gewisse Ästhetik der Karosserieform, die mit geringem Luftwiderstand mehr oder weniger harmoniert.

Es ist schwierig zu ermitteln, ab wann das Auto den weit über die eigentliche Transportaufgabe hinausgehenden Beiwert hat. Gab es den schon, als das Auto noch gar kein Auto war, sondern ein gezogener Schlitten? Oder hat die Erfindung des Rades vermutlich 3000 v.Chr. ihm diesen Beiwert verliehen?

Mit Sicherheit gab es ihn schon zur Kutschenzeit. Wie sonst wären z.B. goldene Kutschen zu erklären? Und sobald sich das Auto kurz nach seiner Entbindung von der reinen Zweckform verabschiedete, blieb es nicht nur bei vier Rädern, von denen zwei angetrieben waren. Befördert hat diesen Beiwert, dass sich anfangs nur reiche Leute ein Auto leisten konnten.

Wir wollen versuchen, ihm nachzuspüren, der Begründung auf die Spur zu kommen, warum Hundertausende bei diversen Messen Eintritt bezahlen, um an ausgestellten Altfahrzeugen vorbeischlendern zu können. Eigentlich ein Unding: Der Mensch bewegt sich, das Auto steht.


Dabei wollen wir uns bewusst auf Kraftfahrzeuge beschränken, die ihren Kurs zu Lande, nur kurzzeitig zu Wasser und noch kürzer in der Luft suchen. Es sollen Räder den Kontakt zur Fahrbahn halten, nur in ganz seltenen Fällen Kufen vorn. Allerdings müssen diese nicht immer das Fahrzeug vorantreiben. Das kann in wiederum seltenen Fällen auch durch Düsen geschehen.

Beginnen wollen wir unsere Betrachtungen klar mit dem Jahr der Erfindung des ersten Automobils 1886. Rückbezüge auf die Kutschenzeit sind gelegentlich möglich. Geben wir ihm eine gewisse Zeit der Konsolidierung und fragen uns dann, ob es Gemeinsamkeiten zwischen den Produkten verschiedener Hersteller gibt. Denn es wird sehr die Frage sein, ob die damals noch nicht Designer genannten Mitkonstrukteure gegen Techniker und Erbsenzähler durchsetzen konnten.

Unterschätzen wir allerdings auch die Funktion der Letztgenannten nicht. Sie wirtschaften den übrig bleibenden Gewinn ja nicht in die eigene Tasche, sorgen sich im Prinzip um alle Betriebsangehörigen. Die Welt ist voll von Angeboten, von denen fast niemand Gebrauch machen möchte. Das wiederum läuft auf Verschwendung von Ressourcen hinaus.

Da wir gerade bei Verschwendung sind. Das betrifft auch die Menge an Energie, die das Auto zur Fortbewegung allein schon selbst braucht. Auch wenn sich die Industrie gerade auf diesem Gebiet um Effizienz bemüht. Mit dem vom Menschen selbst organisierten Transport auf einem leichten Fahrrad wird man niemals konkurrieren können.

Erste Auswirkungen der über die reine Transportaufgabe hinaus gehende Bedeutung des Kraftfahrzeugs zeigt z.B. der Begriff der 'Fahrzeuggestalt'. Die 'Gestalt' ist im Gegensatz zur 'Gestaltung' gefühlt dem Menschen zugeordnet. Auch spricht man gerne von den Scheinwerfern als von den 'Augen' des Autos. Manche Fahrzeuge erhalten von ihren Besitzern/innen Menschennamen.

Designer sprechen oft von dem, was sinnlich wahrnehmbar ist. An sich kein unbilliges Verlangen. Aber die menschlichen Sinne schließen nicht nur Sehen, Hören und Fühlen, sondern auch Riechen und gar Schmecken ein. Klar, es gibt Designer, um die Bedeutung der nicht unmittelbar zur Transportaufgabe gehörenden Tugenden zu überhöhen.

Da wird eine Form als 'ästhetisch' beschrieben, wohl übersehend, das hier nicht nur mögliche Schönheit, sondern auch auffallende Hässlichkeit vorherrschen kann. 'Ästhetisch' ist eben alles, 'was die Sinne bewegt'. Und wenn wir die Werte in 'Wertschöpfung' als ideell bezeichnen, ist dann ein Auto der richtige Adressat?

Da kann doch nur die materielle Wertschöpfung gemeint sein, was das den Verkauf von Automobilen mit der von Möbeln oder Gartengeräten gleichsetzt. Versprechen wir uns gegenseitig, im Verlauf dieses Buches auf unnötige und z.T. sogar falsche Überhöhungen zu verzichten, ihnen vielmehr kritisch hinterherzujagen.

Hat die zugrunde liegende Transportaufgabe Einfluss auf das Design? Unbedingt ja. Ein Einsitzer-Rennwagen (Monoposto) sieht nun einmal anders aus als ein Kastenwagen. Hat die Dauer der Transportaufgabe ähnliche Bedeutung? Eher nicht. Vieles spricht dafür, dass sich die Haltbarkeit innerhalb von Gruppen von Fahrzeugen gegenseitig annähert. Den Wagen nur für die Stadt gibt es nicht.

Und wie steht es mit der Transport-Geschwindigkeit? Im Prinzip gibt es nur bei der Bahn Ausreißer nach oben. Das gewöhnliche Landfahrzeug schleicht oft genug mit Lkw-Geschwindigkeit über die Autobahn, froh genug, selbst diese halten zu können. Beispiel USA: Hier gehören die Trucks oft zu den schnellsten, auch ohne Stau.

Und sind die Transportaufgaben eher gewerblicher oder privater Art? Ein samstäglicher Stau auf der Autobahn lässt Letzteres vermuten. Ebenfalls die Tatsache, dass früher eher das Fahren erschwerende Cockpits von Leichtkraftwagen zunehmend Pkw-ähnliches Interieur erhalten. Auch mit diesen Autos scheint Autofahren Spaß zu machen.

Gewinnt das Auto zunehmend an Bedeutung? Eher nein. Für die ältere Generation behält sie diese, während die jüngere sich deutlich dem virtuellen Transport zuwendet. Klar, für die einen war das sich damals erst langsam vermehrende, selbstfahrende Gefährt etwas Besonderes. Die Jüngeren nutzen ein Auto mehr oder weniger wie eine Waschmaschine.

Es gibt ja noch Waschsalons. Also hat mit Sicherheit das nur kurzzeitig gemietete Auto eine Chance, vor allem mit dem Bedienkomfort der virtuellen Welt. Und hier verschwindet dann die über die reine Transportaufgabe hinausgehende Bedeutung des Autos langsam.

Impressum