

Von zwei Bosch-Angestellten muss jetzt berichtet werden, dem Meister Zähringer und dem Noch-Lehrling Honold. Ersterer verbessert die Deutzsche Magnetzündung so, dass die sich bewegenden Teile deutlich leichter werden. Man spricht von der Niederspannung-Magnetzündung für höhere Drehzahlen. Schon die erste Erfindung von 1898 lässt den Betrieb deutlich wachsen, die zweite von 1902, die Bosch-Hochspannungszündung von Honold, macht aus ihm schließlich einen Großbetrieb.
Allerdings dauert es mehr 14 Jahre, bis die Bosch-Erfindungen so richtig Weltruhm erlangen. Transporteur ist im wahrsten Sinn des Wortes die Daimler-Motoren-Gesellschaft, deren Autos auch durch die Bosch-Zündung immer schneller werden und deren Ruf bis nach Amerika tragen, wo schon relativ kurz nach der Jahrhundertwende ein richtig großer Automarkt entsteht. Der alte Daimler hat noch kurz vor seinem Lebensende dem Austausch seiner Glührohrzündung gegen die von Bosch zugestimmt.
Der Erste Weltkrieg beendet zunächst die Bosch-Erfolgsserie. Danach sind Deutschland und seine Produkte nicht nur in großen Teilen der Welt verhasst, sondern hat z.B. die amerikanische Automobilindustrie die deutsche weit hinter sich gelassen. Auch die nicht patentierte Magnetzündung einschließlich der sehr erfolgreich verkauften Zündkerzen ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Außerdem hat sich die
Elektrik im Auto längst ausgebreitet und die Batteriezündung ihren Siegeszug angetreten.
Heute hat man bisweilen Schwierigkeiten, den Tätigkeitsbereich einer Bosch-Vertretung zu erkennen, denn zu den unzähligen Elektrik-Artikeln gibt auch eine lange Tradition bei hydraulischen Diesel-Einspritzanlagen. Hier zeigt sich, dass der Konzern als feinmechanische Werkstatt gegründet wurde. Deshalb werden die schlechten Zeiten in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg z.B. durch einen neu entwickelten Spannungsregler für den Gleichstrom-Generator überwunden, an den sich auch wegen der komplizierten Mechanik kaum jemand traut.
Die Arbeiten an der Einspritzpumpe beginnen erst Ende 1922 und dauern vier Jahre. Schon Rudolf Diesel hatte die Möglichkeiten einer hydraulischen Einspritzung für den Dieselmotor vorausgeahnt, musste aber angesichts der nötigen technologischen Voraussetzungen passen. Stellen Sie sich vor, dass ein Dieselmotor z.B. in einem Pkw heute bei normaler, nicht zu schneller Fahrt über die Autobahn nur einen großen Tropfen Dieselkraftstoff pro Arbeitstakt und Zylinder einspritzt. Wer solche kleinen Mengen regeln will, muss mit verdammt geringen Toleranzen (ca. 1/1000 mm) arbeiten.
Rudolf Diesel hat zwar den Motor erfunden, aber das aufwendige Verfahren, den Kraftstoff mit Hilfe von Luft einzublasen, ist bis 1927 fast nur für große Diesel (z.B. Schiffe und Lokomotiven) sinnvoll nutzbar. Die neue A-Pumpe von Bosch öffnet den Lkw-Markt und deutlich später auch den für Pkw. Diesmal ist auch der Nachbau erschwert, weil die Kunst in der Fertigung liegt. Es ist z.B. die Flüssigkeitsreibung (Läppen), die Boschs fast einmalige Stellung auf Jahrzehnte zementiert.
Robert Bosch als Unternehmer, der zwar nicht selbst entwickelt, aber die richtigen Mitarbeiter hat, die an den vom Chef gesteckten Zielen offenbar ziemlich eisern festhalten, haben wir jetzt genügend gewürdigt. Verkürzt wird unsere Darstellung garantiert, was den übrigen Menschen Bosch betrifft. So hat er z.B. viel Kritik aus den Reihen seiner Unternehmer-Kollegen erfahren, weil er seine Arbeiter grundsätzlich anders behandelt. Zitat: "Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle."
| Robert Bosch und Henry Ford, zwei knorrige Typen |
Gerade seine Aktivitäten über das Unternehmen hinaus lassen gewisse Vergleiche mit einem ähnlich erfolgreichen zu, Henry Ford. Der hat ebenfalls einen weltweit agierenden Kfz-Konzern gegründet, ihn allerdings durch Starrsinn am Ende fast gegen die Wand gefahren. Sehr früh führt auch er Verbesserungen für seine Arbeiter ein und erzürnt damit seine Unternehmer-Kollegen.
Beide stammen aus dem ländlichen Milieu und gründen nach Erfolgen in ihren Unternehmen große Bauernhöfe, in denen das erwirtschaftete Geld teilweise wieder verschwindet. Robert Bosch hat der öffentlichen Hand vermutlich mehr Geld gespendet als Ford, obwohl Spenden erfolgreicher Unternehmer in USA mehr Tradition haben. Immerhin haben beide ein eigenes, sehr erfolgreiches Krankenhaus gegründet.
Politisch sind sie allerdings nicht vergleichbar, weil Henry Ford z.B. mit seinem Antisemitismus und seiner zeitweisen Bewunderung für Hitler mehr nach rechts, der "rote" Bosch eher nach links tendiert. Das dürfte aber dann eher ein väterlich gedachter, eher schwäbisch-bürgerlich ausgerichteter Sozialismus sein. Dank für ihre sozialreformerische Arbeit haben beide Unternehmer nicht immer erfahren, denn ihre beiden Betriebe werden in schweren Zeiten trotzdem bestreikt, Ford sogar noch viel härter und länger andauernd als Bosch.
Es gibt noch eine familiäre Übereinstimmung, denn beide haben ihre Söhne überlebt, allerdings wird Robert Bosch ab dem Alter von 66 Jahren die Gnade einer späten Nachkommenschaft zuteil. Henry Ford hat Robert Bosch nach dessen Tod 1942 um etwa fünf Jahre überlebt, vielleicht auch deshalb, weil in Deutschland der Zweite Weltkrieg und die Nationalsozialisten tobten, die so gar nicht in die Zukunftsvorstellungen des alten Bosch passten. 02/10