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  Geschichte der Kfz-Werkstatt



Die Kfz-Reparaturwerkstätte ist zwar im Prinzip so alt wie das Auto, ist aber z.B. als Schmiede oder Werkstatt für Fahrradreparatur schon deutlich älter. Wobei für die ersten Autos hauptsächlich der Hersteller seine Leute zur Verfügung stellte. Ganz im Anfang sind das ja nur zwei, Benz und Daimler-Motorenwerke. Da läuft in Frankreich die Herstellung erst langsam an. Wir sind noch deutlich vor der Jahrhundertwende. Wer sich jetzt ein Auto kauft, tut das weil er erstens genug Geld und zweitens das nur als Hobby betreibt. Auch Rennen entstehen schon sehr früh, aber mehr als Tests für die Zuverlässigkeit von Fahrzeugen.

Auch braucht man noch keine Elektriker, weil es am Auto nichts dergleichen gibt. Während Daimler mit Glührohr zündet ist die einzige Ausnahme die Batteriezündung bei Benz. Die muss ohnehin ständig für die nächste Fahrt aufgeladen werden. Besonders wichtig ist, dass es noch lange Zeit kaum eine Zulieferindustrie wie heute gibt und deshalb auch keine Normung der Teile. Jedes Ersatzteil muss im Prinzip neu hergestellt und an den vorhandenen Wagen angepasst werden. Vieles wird deshalb repariert, z.B. die neu aufkommenden Luftreifen für Personenkraftwagen, die alle Nase lang kaputt gehen. August Horch schreibt in seinem Buch 'Ich baute Autos', dass man im Schnitt alle zehn Kilometer mit einer Reifenpanne rechnen muss.

Und glauben Sie ja nicht, der Fahrer kann den Reifen selbst wechseln oder besser flicken. Man braucht nicht nur mechanisches Geschick, sondern auch enorme Kraft, um den Reifen auf die nicht abmontierbaren Felgen zu ziehen. Und wenn man den Reifen nicht völlig gleichmäßig verteilt zwischen den Schrauben, mit denen er auf der Felge befestigt ist, ist die nächste Panne schon vorprogrammiert. Autofahren ist zu der Zeit eine Kombination relativ betuchter Leute, die meist nicht viel von der Technik verstehen mit einer äußersten Anfälligkeit der Wagen. Man könnte auch sagen, nur Verrückte fahren zu der Zeit Auto. Wer relativ pünktlich ankommen will, benutzt die Bahn. Einen Führerschein gibt es noch nicht. Will jemand sein zukünftiges Auto partout ohne Chauffeur selbst fahren, wird er vom Werksmonteur der Herstellerfirma angelernt.

Übrigens, solange auch die Pkw noch mit Vollgummireifen unterwegs sind, ist das auch keine Garantie für Pannenlosigkeit. Denn der kann sich z.B. in Kurven von der Felge lösen. Und wenn man Glück gehabt hat und von dem herumfliegenden Ungetüm nicht verletzt worden ist, dauert es ewig und nimmt viel Kraft, das Ding mit langen Schraubenziehern wieder auf die Felge zu drücken. Nachteilig auch, dass die Höchstgeschwindigkeit mit Vollgummireifen mit ca. 20 km/h nur etwa halb so hoch ist wie später mit Luftreifen. Lkw fahren übrigens noch lange auf Vollgummi. Es wird auch noch einige Zeit dauern, bis Autos einigermaßen sicher und verlässlich zu starten sind. Die ersten haben noch nicht einmal eine Kurbel, an der man sich beim Zurückschlagen des Motors den Arm bricht. Bei diesen muss nur das Schwungrad gedreht werden. Aber es sind mehrere Einstellungen vorzunehmen, vorher und besonders schnell, nachdem der Motor endlich Lebenszeichen von sich gibt.

Jetzt könnte man meinen, nur der Hersteller hätte durch Entsenden eines Monteurs alle Pannen abgedeckt. Mitnichten. Schon bei der ersten Fahrt der Berta Benz ist der Dorfschmied gefragt, weil sich das Leder an den Bremsklötzen aufgelöst hat. Oder soll man damit zum Sattler? Hat man gar einen Unfall, weil z.B. einen die an einem Handhebel bedienbare, mit viel Spiel ausgestattete Lenkung in den Graben befördert hat, kommt auch noch der Schreiner oder Zimmermann als Helfer in Frage, denn Autos sind immer noch kutschenähnlich und für lange Zeit mit Holzanteilen gebaut. Man darf sich getrost fragen, woher die Enthusiasten kommen, die mit solchen Fahrzeugen auch noch längere Reisen unternehmen, übrigens zunehmend mehr noch in Frankreich und Großbritannien, wo es auch noch besondere Behinderungen (Red-flag act) gibt.

Autos sind trotzdem noch sehr selten. Es wird bis in die dreissiger Jahre des nächsten Jahrhunderts in Deutschland Ortschaften geben, wo noch nie ein Motorfahrzeug gesichtet wurde. Als Automobilist kann man sich aussuchen, auf welche Weise man Aufmerksamkeit erlangt. Ist man sehr langsam oder hat gar eine Panne, ist die Schadenfreunde größer als die Anteilnahme. Man hat Glück, wenn man genug Raum zur Behebung des Defekts hat. Ist man aber zu schnell, ist einem die Wut des Publikums und gar der Obrigkeit gewiss. August Horch beschreibt besonders Begegnungen der übernatürlichen Art mit Kutschen und Strafzettel- und Verbotsverfolgung der allmächtigen Polizei. Carl Benz macht es sich in dem Zusammenhang einfach. Er rät z.T. potenziellen Kunden ab, eines seiner Autos zu kaufen, nicht gerade typisch für den Hersteller eines Produkts.

Glauben Sie ja nicht, das Fahren sei so viel einfacher gewesen als das Instandhalten. Da gibt es bei Benz anfangs Fahrzeuge, die schaffen gerade mal sieben Prozent Steigung. Da heißt es absteigen und schieben. Regelmäßig muss Wasser nachgefüllt werden, viel viel mehr als Sprit, den es bis etwa 1920 nur in Apotheken zu kaufen gibt. Man fragt sich, wie die Monteure überhaupt in vertretbarer Zeit die Hilfesuchenden erreichen konnten. Auch Abschleppen ist kaum möglich. Muss ein Auto wegen einem größeren Schaden zurück ins Werk, so geht das entweder per Pferdefuhrwerk und/oder mit der Eisenbahn. Hersteller haben es jedenfalls schwer, weil sie gleichzeitig Reparaturen durchführen und zu der Zeit enorm expandieren müssen. Außerdem wächst bis zur Jahrhundertwende der Konkurrenzdruck durch viele neue Mitbewerber enorm.

Das bedeutet auch, für die eigenen Produkte zu werben. Deshalb gibt es schon vor der Jahrhundertwende die ersten Automobilausstellungen und natürlich die ersten Rennen. So wird das Herstellen von Autos zu einer Herkulesaufgabe, das prompt bei der nächsten Rezession viele Betriebe verschwinden oder fusionieren lässt. Neben den schon länger vorhandenen Zulieferern für Reifen (spärlich auch Wälzlager) etabliert sich zu der Zeit ein gewisser Robert Bosch im Bereich der Elektrik. Er wird dringend gebraucht, denn es gilt, den zweithäufigsten Pannengrund für Motorfahrzeuge anzugehen. Sprit, falls nicht mit dem Behälter für Wasser verwechselt, ist meist genug vorhanden, aber mit der verlässlichen Zündung hapert es.

Mit Bosch Erfindungen entsteht ein weiterer Zweig des Kfz-Handwerks, wie es auch heute immer noch organisiert ist, die Umrüstung, neudeutsch Tuning. Da viele Besitzer von Autos gerne die bessere von Bosch haben möchten, muss diese an die älteren Modelle angepasst werden. Horchs erster Eigenbetrieb beschäftigt vor dem Bau seines ersten Fahrzeugs mehrere Monteure mit solchen Arbeiten. 'Monteure' ist gut gesagt, denn es sind in diesem Fall nur angelernte Kräfte. Das Berufsbild des Kfz-Mechanikers gibt es noch nicht. Erst 1909 entsteht der erste Zusammenschluss von Händlern, heute der Zentralverband des Kfz-Handwerks. Nicht zwangsläufig gleichzeitig gibt es in Deutschland ab diesem Datum Verkehrsregeln und die ersten Führerscheine.

Seit etwa 1900 haben sich die Fahrzeuge grundlegend geändert. Mit der Verlagerung des Motors nach vorn wird aus der Kutsche ein Auto mit Kühlergrill. Auf ein metallenes Chassis kommt in der Regel eine von einer anderen Firma hergestellte Karosserie mehrheitlich aus Holz, was ihr gleichzeitig Stabilität verleiht. Natürlich wird der Einheitslook durch vielfältige Kundenwünsche meist vermieden. Die Wagen sind ohne Türen und Windschutzscheibe offen, Verdeck mehrpreispflichtig. Wird man vom Regen überrascht, schützt man sich mehr schlecht als recht durch eine Lederdecke vom Schoß bis zum Boden. Die Beleuchtung ist kutschenähnlich geblieben, z.T. noch mit Kerzen. 1900 gibt es 12.000 Automobile weltweit, aber nur 800 im Land seiner Geburt.

Zehn Jahre später sieht die Welt schon anders aus. Es gibt knapp 40 Automobilhersteller in Deutschland. Der Kfz-Bestand ist auf etwa 20.000 gestiegen. Die Autos haben Türen mit z.T. wegschiebbaren Scheiben, sind aber immer noch offen. Die Geschwindigkeiten bewegen sich bis zu realistischen 40 km/h, natürlich auf staubigen Dreckwegen mit gerade bergauf störenden Regen-Ableitrinnen. Hufnägel gibt es immer noch, aber die Wahrscheinlichkeit einer Panne ist auf etwa zwei pro hundert Kilometer gesunken und die Felgen sind inzwischen abnehmbar. Aber es werden noch weitere 10 Jahre vergehen, ehe der erste Niederdruckreifen auf den Markt kommt. Solange müssen Autofahrer ihre Reifen noch (natürlich von Hand) auf etwa 5 bar aufpumpen.

Bei der Reparatur und Betankung von Fahrzeugen hat sich noch nichts geändert. Noch immer gibt es Benzin nur in Apotheken oder Drogerien. Die Autos sind immer noch so, dass sie evtl. auch von einem Dorfschmied repariert werden können, echte Triebwerksteile natürlich ausgenommen. Ein Beispiel könnten vielleicht Federblätter sein, die natürlich auch schon von den Kutschen her bekannt sind. Am Motor wird z.B. geschraubt, um Ölkohle von den Kolben zu entfernen. Soll aber z.B. ein Pleuellager erneuert werden, so ist dieses neu zu gießen, ein Tragbild zu erstellen und so lange zu schaben, bis es einigermaßen läuft. Und das wird sich bis knapp zur Mitte des Jahrhunderts auch nicht großartig ändern.

Und da die Felgen oft zusätzlich zum Aufbau vielfach noch aus Holz sind, ist neben der besonders wichtigen Metallbearbeitung die von Holz an zweiter Stelle. Nur wenige Hersteller wie Opel oder Mercedes liefern zumindest einen Teil ihrer Fahrzeuge komplett aus. Horch z.B. tut das zwar auch, hat aber zuvor die Karosserie eines Zulieferers montiert. Traditionell ordnet man den Beruf des Kfz-Mechanikers den Metallberufen zu. Und daran wird sich ebenfalls bis in die späten siebziger Jahre nichts ändern. Die Herstellung eines Kraftfahrzeugs steckt von der Rationalisierung her noch in den Kinderschuhen. Aber auch in USA wird bei Ford die Fließfertigung erst 1913 eingeführt. In Deutschland dauert allein die Lackierung bis zu sechs Wochen. Die billigsten Autos kosteten etwa 5.000 Goldmark, das wären heute über 25.000 Euro.

Opels 'Doktorwagen' ist mit etwas über 4.200 Goldmark noch etwas billiger. An der Bezeichnung mag man einen Teil der möglichen Kunden für ein Auto erkennen. So dienen sehr langsam auch die reinen Pkw sinnvolleren Zwecken und sind nicht mehr nur Freizeitobjekte. Daran kann man auch die gestiegene Zuverlässigkeit erkennen. Aus dem Lkw hat sich der Omnibus entwickelt. Doch haben beide nur innerhalb eines begrenzten Bezirks um die Städte Bedeutung. Längere Distanzen versorgt die Eisenbahn, die von der Regierung noch für Jahrzehnte deutlich gefördert wird. Für Transport ist auch die Schifffahrt zuständig, die z.T. schon auf Dieselmotoren setzt, ganz im Gegensatz zu den Lkw und auch zur Eisenbahn, deren Dampfloks aber auch etwas Konkurrenz von E-Loks erhalten. Die elektrische Tram dominiert noch deutlich den Stadtbus.

Der Luftverkehr beginnt langsam, allerdings nicht mit Flugzeugen sondern mit Luftschiffen. Das Verkehrschaos besonders in großen Städten wie Berlin wächst und damit auch die Zahl der Unfälle. Es gibt dort neue Verkehrsregeln, immerhin mit 25 km/h Höchstgeschwindigkeit. Bis zum Ersten Weltkrieg ab 1914 gibt es nicht mehr viele Veränderungen speziell im Kfz-Bereich. Überhaupt gibt es einen großen Unterschied zwischen Vorkriegs- und echten Nachkriegswagen. Das gilt uneingeschränkt nachher auch für den Zweiten Weltkrieg. In dieser Zeit kommt die Entwicklung von Fahrzeugen zum Stillstand, sofern sie nicht militären Zwecken dienen.

Nach dem Ersten Weltkrieg kommt in Deutschland erst einmal so etwas wie eine Revolution, begleitet von Hunger und anschließend die erste große Inflation bis 1923. Kein Wunder, dass kaum jemand Autos kauft. Allerdings wird die Zahl der Fahrzeughersteller zunächst kaum kleiner, weil auch noch Teile der jetzt verbotenen Flugzeugindustrie ein neues Betätigungsfeld suchen, z.B. BMW. Das Tanken hat sich inzwischen geändert. Es wird bald die erste richtige Tankstelle allerdings für verschiedene Marken geben. Einstweilen muss man sich noch mit Zapfsäulen am Bordsteinrand bzw. in Hinterhöfen begnügen. Da ist dann auch die später mit der Tankstelle verbundene Wagenpflege noch selten.

Die amerikanischen Autos haben sich in der Zeit der Kriege und weiterer schlechter Zeiten in Europa deutlich weiter entwickelt. Ford hat 1915 und GM 1918 erstmals eine Mio. Autos pro Jahr produziert. Deutschland hat z.B. 1914 nur einen Gesamtbestand von deutlich weniger als 100.000 Fahrzeugen. Und der ist durch den Krieg mit Sicherheit eher kleiner geworden.


Wird fortgesetzt ...


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