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  Rudolf Diesel



Paris, Paris, Paris, warum ist von dieser Stadt so oft die Rede? Und das im Zusammenhang mit der Entwicklung von Verbrennungs- und Fahrzeugmotoren? Schon 1860 wird hier der erste Motor mit innerer Verbrennung erfunden, 1863 in ein Fahrzeug eingebaut. Otto stellt hier 1867 aus. Gottlieb Daimler schließt während der Weltausstellung 1889 einen seiner wichtigsten Verträge ab. Benz ist hier zur gleichen Zeit ebenfalls vertreten, allerdings mit sehr viel weniger Erfolg. Irgendetwas hat diese Stadt mit dem damals höchsten (Eiffel-)Turm der Welt.

Sie ahnen es, ausgerechnet Rudolf Christian Karl Diesel ist hier 1858 geboren. Die Eltern sind gerade erst aus Süddeutschland eingewandert. Der Vater ist ursprünglich Buchbinder und leitet jetzt einen mittelständischen Betrieb mit ca. 5 Angestellten zur Herstellung von kleinen Lederwaren. Die Mutter war in Großbritannien Gesellschafterin und spricht außerdem fließend Französisch. Das Einkommen der Familie ist saisonbedingt und meist recht knapp. Vielleicht ist es ja die Not in der Jugend, die sein Leben besonders auch nach dem großen Erfolg so schwierig gemacht hat.

Jedenfalls wird dem Jungen mit den vielseitigen Interessen besonderes Talent für Mechanik nachgesagt. Seine Schulleistungen werden sehr hervorgehoben. Mindestens eine der vielen (Welt-)Ausstellungen in Paris hat er mit seinen Eltern besucht und dann ist da noch das berühmte Technische Museum in seiner Nähe, das u.a. die Großen der Dampfmaschinenzeit und den Cugnot-Dampfwagen zeigt. Als nicht besonders freudvoll wird die Jugend von Rudolf Diesel beschrieben. Bei der Auslieferung der Ware lernt er hochherrschaftliche Häuser und auch ärmere Viertel kennen.

Die Jugend von Rudolf Diesel ist trotzdem ereignisreich. Er lebt auf der Flucht wegen des Deutsch-französischen Krieges 1870/71 eine Zeitlang in Großbritannien. Danach wird er im Alter von 12 Jahren zu Pflegeeltern nach Augsburg gegeben. Das Einkommen der Eltern reicht für seine zwei Schwestern und ihn nicht aus. Immerhin ist der Pflegevater sein Onkel und Mathematiklehrer an der Gewerbeschule, was eine gute Voraussetzung für das angestrebte Studium in München ist, allerdings erst mit 17 nach dem Besuch von Gewerbe- und Industrieschule. Letztere absolviert er übrigens mit einem weit überdurchschnittlichen Examen.

Es soll ein Feuerzeug gewesen sein, dessen Zündung Rudolf Diesel den Weg zu einer weltbewegenden Erfindung weist. Es ist viel größer als die heute uns bekannten und erlaubt es, Luft so stark und schlagartig zu komprimieren, dass ein Docht zu brennen beginnt. Andere Quellen hingegen verweisen auf Vorlesungen von Professor von Linde in München, der den Studenten den Carnotschen Idealprozess näher bringt. Für Rudolf Diesel ist das Studium dort kein Zuckerschlecken. Finanzielle Nöte beherrschen sein Leben trotz Stipendien und dem Erteilen von Nachhilfe in Französisch. Trotzdem bleibt er sehr erfolgreich. Teile seiner Arbeiten in den ersten Semestern schaffen es bis zu Ehrungen bei Weltausstellungen.

Vielleicht ist seine Typhus-Erkrankung im Sommer 1879 auch auf seine Überforderung zurückzuführen. Jedenfalls muss er das Abschlussexamen um ein halbes Jahr verschieben und vor mehreren Professoren ablegen. Die Prüfung soll trotzdem glänzend verlaufen sein. Nach einem halbjährigen Intermezzo bei der Maschinenfabrik Sulzer in der Schweiz verhilft ihm die Verbindung mit dem von ihm sehr verehrten Professor Carl von Linde zu einer Anstellung in einer neu errichteten Eisfabrik in Paris. Knapp drei Jahre später heiratet er die deutsche Notarstochter Martha Flasche, mit der er drei Kinder haben wird.

10 Jahre bleibt er in Paris und forscht auch in praktischen Versuchen nach dem im Wirkungsgrad optimierten Motor. Das Kältemittel Ammoniak ist zunächst im Zentrum seines Interesses. Erst im Laufe der weiteren Entwicklung versucht er es mit Dampf. Dazwischen kommt der Umzug zur Linde-Zentrale nach Berlin, wo ihn die tägliche Routine wiederum von seinen Forschungsarbeiten abhält. Das Prinzip des ihm vorschwebenden Motors wird am Ende eher einfacher. Es ist der hoch verdichtende Motor mit endothermer (innerer) Verbrennung, die durch Selbstzündung hervorgerufen wird. Dabei sind 250 verschiedenste Kraftstoffe bis hin zum Kohlenstaub möglich. Für die technische Durchführung hingegen kann man angesichts der von ihm geforderten 250 bar Verdichtungsenddruck noch gewaltige Probleme vermuten.

Viele in Frage kommende Firmen hat er angeschrieben. So ungefähr die letzte Absage kommt von Heinrich von Buz von der Maschinenfabrik Augsburg. Sie soll der Anlass gewesen sein, dass Diesel über seine geforderten Drücke neu nachgedacht hat und diese, abweichend von seinem Patent, erheblich reduziert. Dies wiederum schafft die Möglichkeit, dass Buz nun doch zustimmt, aber einen weiteren Beteiligten fordert, sozusagen als Finanzier.

1892 veröffentlicht er die 'Theorie und Konstruktion eines rationellen Wärmemotors'. Spätestens hier wird deutlich, dass der Dieselmotor sich von anderen Erfindungen ähnlicher Art abhebt. Gerade im Maschinenbau auch jener Zeit kann man erleben, wie die nächste Erfindung die vorige nur einen kleinen Schritt voranbringt. Manchmal ist das Neue auch nur eine Zusammenfassung schon mehr oder weniger bekannter Tatsachen. Der ursprünglich aus einem theoretischen Konstrukt entstandene Dieselmotor betritt im mancherlei Hinsicht Neuland. Interessant ist auch, dass er durch Rudolf Diesels Veröffentlichung erst in der wissenschaftlichen Fachwelt ausgiebig diskutiert wird, bevor auch nur ein Teil von ihm konstruiert ist.

Das Buch soll nicht ohne Hintergedanken entstanden sein, nämlich die Werbung für das Projekt zu verstärken und dadurch einen weiteren Partner zu finden. Und in der Tat, Friedrich Alfried Krupp wird mit einem monatlichen Zuschuss zum zweiten Teilhaber an dem Wagnis Selbstzünder. Erstaunlich ist übrigens, dass Diesel eine erstaunliche Voraussicht bei der Herabsetzung seiner Höchstdrücke für diese Selbstzündung gehabt hat. Ob übrigens mit der Anteilnahme Krupps nicht auch Kaiser Wilhelm II im Hintergrund seine Hand im Spiel hatte, zu dem Krupp sehr gute Beziehungen hatte?

Vier lange Jahre dauert es, ehe Rudolf Diesel in Zusammenarbeit mit der Maschinenfabrik Augsburg (Nürnberg)* und der Fa. Krupp den ersten Motor am 28. Januar 1897 der Öffentlichkeit vorstellt. Es ist trotz Sponsoring von Krupp eine enorm entbehrungsreiche Zeit. Wenn sein Sohn den Beruf des Vaters beschreibt, spricht er von einer 'schwarzen Geliebten', die dieser in Augsburg, weitab von Berlin hat. Schon relativ früh, also etwa nach gut einem Jahr, bestätigt sich die Richtigkeit der Grundlagen. Wer aber glaubt, der erste Arbeitshub sei gleichbedeutend mit dem durchschlagenden Erfolg, der sieht sich hier getäuscht.09/13
*erst ab 1898 Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG

Teil 2


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